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Die Armut verringern, die Würde bewahren
Josefslädchen in Bamberg besteht seit 15 Jahren – Ehrenamtliche werden immer wieder gesucht
Kreis-Caritasvorsitzender Dr. Peter Landendörfer dankte den Ehrenamtlichen des Josefslädchens mit Blumen und einer Urkunde für ihr Engagement.

Das Josefslädchen feiert Geburtstag. 15 Jahre gibt es den „etwas anderen Laden“ in der Josefstraße 25 in Bamberg nun schon. Seit April 1999 kaufen hier Personen mit geringem Einkommen zu besonders günstigen Konditionen ein. Viele Ehrenamtliche helfen von Anfang an oder seit vielen Jahren mit und wurden dafür durch den Caritasverband für den Landkreis Bamberg e.V. gewürdigt. Aber auch die Haushalte, die hier einkaufen, wurden bedacht und mit einer Verlosung von Einkaufsgutscheinen im Budget kräftig entlastet.

„Der Gründung des Josefslädchens ist eine bundesweite Armutsuntersuchung des Deutschen Caritasverbandes Ende der 90er Jahre vorausgegangen, an der auch unser Kreis- Caritasverband teilnahm“, erläutert Jutta Kutnyak, Geschäftsführerin des Caritasverbandes für den Landkreis Bamberg e.V.

Mit Hilfe des Josefslädchens wollte man schließlich dreierlei erreichen: Zum einen sollte das Haushaltsbudget der Bedürftigen entlastet werden, zum anderen sollten gute Lebensmittel an arme Familien ausgegeben werden und zum Dritten sollten Arbeitsplätze entstehen. Mittlerweile arbeiten zwei hauptamtliche Kräfte für den Caritasverband für den Landkreises Bamberg e.V. im Josefslädchens.

Im Josefslädchen sind die Bedürftigen Kunden, nicht Almosenempfänger

Ziel dieses Sozialladens ist es, dass bedürftige Menschen selber entscheiden, was sie kaufen. „Die Kunden zahlen sehr wenig, aber sie bezahlen für ihre ausgewählten Waren; damit möchten wir ihre Würde bewahren“, erklärt Dr. Peter Landendörfer, Erster Vorsitzender des Caritasverbandes für den Landkreis Bamberg e.V. So sollen sich die Haushalte mit geringem Einkommen nicht herabgesetzt oder benachteiligt fühlen. „Außerdem wollen wir ihnen kein Gefühl der Abhängigkeit geben“, so Landendörfer weiter.

Jeder Haushalt mit geringem Einkommen, der einkaufen möchte, erhält eine Kundenkarte. Diese dient als Berechtigung, um im Josefslädchen einkaufen zu dürfen. Die Karte ermöglicht den Einkauf für das laufende Kalenderjahr, danach muss die Berechtigung erneut nachgewiesen werden. Die Kundenkarte erhalten Haushalte mit geringem Einkommen wie Alleinerziehende, kinderreiche Familien, Rentner oder ALG II-Empfänger und andere Bezieher von Transferleistungen oder staatlichen Unterstützungen.

Dabei orientiert sich die Berechnung am Existenzminimum zuzüglich eines Aufschlags von 30 %. Gerade die Haushalte, die aus Hartz IV herausfallen, sind oft von anderen Hilfen abgeschnitten; daher werden sie hier mit berücksichtigt. Die Allgemeine Soziale Beratungsstelle muss also bei jedem Einzelnen vorher prüften, ob eine Berechtigung vorliegt und die Einkaufskarte ausgegeben werden kann. In diesem Zusammenhang machen die Berater bei Bedarf darauf aufmerksam, wenn der potentielle Kunde nicht alle gesetzlichen Ansprüche auf Unterstützung ausgeschöpft hat.

Täglich frische Ware

Die Nachfrage ist groß. Über 1.000 Personen sind im Besitz einer Kundenkarte und ca. 50 Personen nutzen täglich den Laden, der von Montag bis Freitag jeweils einige Stunden geöffnet hat. Um dem Strom der Käufer besser gerecht zu werden und Wartezeiten zu verringern, wurden die Einkaufszeiten durch farbliche Markierungen auf den Kundenkarten aufgeteilt.

In dem etwa 30m² großen Laden in der Josefstraße 25 in Bamberg, der einem Tante-Emma-Laden gleicht, erwartet die Bedürftigen ein reichhaltiges Angebot an Lebensmitteln. Neben Kartoffelsalat, Käse, Wurst, Pudding und Tortellini gibt es auch Fisch oder Fleisch in einer der Kühltheken. Hinter einem Verkaufstresen werden frisches Brot und andere Backwaren angeboten. Seitlich steht das frische Gemüse. Das Sortiment kann allerdings jeden Tag anders aussehen, denn der Laden ist abhängig von den gespendeten Waren der mittlerweile 33 Firmen, unter anderem von Bäckereien und Gärtnereien, die mit dem Josefslädchen sehr gut kooperieren. „Saisonal abhängig, wie jetzt nach Ostern, kann auch häufiger Schokolade dabei sein“, berichtet Jutta Kutnyak. „Außerdem haben wir jeden Tag frische Ware.“

Nur dank vieler Ehrenamtlicher ist das Josefslädchen zu betreiben

Ohne den Stamm von insgesamt 26 Ehrenamtlichen wäre der Betrieb des Joseflädchens nicht aufrecht zu erhalten. Eine von ihnen ist die 20-jährige BWL-Studentin India Madjaric, die einmal in der Woche zum Beispiel beim Wareneinräumen hilft. „Ich wollte meine freie Zeit sinnvoll einbringen und die Kollegen hier sind einfach super.“

Viele der oft schon über mehrere Jahre helfenden Ehrenamtlichen unterstützen das Josefslädchen im Verkauf und mit Fahrdiensten. Die längste Dienstzeit wird mit 15 Jahren beziffert. „Es ist einfach schön, anderen Menschen zu helfen“, erzählt eine Frau, die im Juli ihr sechsjähriges Jubiläum hat. Insgesamt werden jährlich rund 5.200 Stunden freiwillige Arbeit eingebracht. Dafür bedankte sich der Caritasverband für den Landkreis Bamberg e.V. bei den Ehrenamtlichen mit Blumen und einer Urkunde. Außerdem zogen Freiwillige und Spender die Gewinner der Kundengutscheine, mit denen man auch diesen Haushalten eine kleine Freude zum Jubiläum bereiten wollte.

Übrigens: Weitere ehrenamtliche Helfer – insbesondere Fahrer, die zupacken können – sind sehr willkommen. Wer lieber Geld spenden möchte, kann dies auch gerne tun, damit die laufenden Kosten abgedeckt werden können. Weitere Auskünfte gibt der Caritasverband für den Landkreis Bamberg gerne unter Tel. 0951 981800.

Datum: 14.05.2014
Klaus-Stefan Krieger
Weiterführende Links:
Josefslädchen im Internet
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