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Erinnerung im Zeichen der Ökumene
Reformationsgedenkjahr
Der Titel des gemeinsamen Wortes "Erinnerung heilen - Jesus Christus bezeugen" zeigt das eigens für 2017 geschaffene Kreuz. Es lässt sich auch in regionalen und lokalen Versöhnungsgottesdiensten einsetzen. Außerdem ist es in kleiner Ausgabe erhältlich, um es Gottesdienstteilnehmern in die Hand zu geben. Bestellt werden kann es unter http://christuskreuz2017.koenigsmuenster.de.

„Die Hauptplayer sind natürlich die Evangelischen“, sagt der stellvertretende Ökumenereferent Josef Gründel auf die Frage, wie sich das Erzbistum Bamberg an dem umfangreichen Programm beteiligt, das 2017 zu 500 Jahren Reformation geboten wird. Die katholische Kirche werde aber einer Besonderheit Rechnung tragen: Es ist das erste große Reformationsjubiläum im Zeitalter der Ökumene. 

In der Vergangenheit waren Reformationsjubiläen durchaus antikatholisch geprägt. „1717 stand die Befreiung von der päpstlichen Herrschaft im Mittelpunkt des Gedenkens. Luther wurde als das auserwählte Werkzeug Gottes gegen die Knechtschaft des neuen römischen Babylon gefeiert“ (schreibt die von EKD und staatlichen Stellen verantwortete Homepage www.luther2017.de). Das Lutherjahr 1883 stilisierte die Reformation als eine deutsche Revolution gegen die klerikale Obrigkeit und Rom. Hintergrund war der von Bismarck und den protestantisch geprägten Nationalliberalen geführte „Kulturkampf“ gegen die Katholiken; das preußische Kaiserreich verfolgte sie als „ultramontan“ – als dem jenseits der Berge liegenden Rom hörig – und damit als potentielle Vaterlandsverräter.

Oder die Jubiläen wurden politisch ausgeschlachtet. So vereinnahmte 1917 das Bündnis von wilhelminischem Thron und evangelischem Altar die Tradition des Protestantismus für Durchhalteparolen im Krieg. Der 450. Geburtstag des Reformators 1939 stand unter dem Motto „Mit Luther und Hitler, für Glaube und Rasse“; die Nazis nutzten Luthers Ausfälle gegen die Juden als Legitimation ihres mörderischen Antisemitismus.

Vom Konflikt zur Gemeinschaft

Seitdem ist viel geschehen. Schon 1983 gab die internationale Gemeinsame Römisch-katholische/Evangelisch-lutherische Kommission zum 500. Geburtstag Martin Luthers einen Text heraus, der den Reformator als Zeuge des Evangeliums neu würdigte. 1999 unterzeichneten katholische Kirche und Lutherischer Weltbund die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre. Sie hält fest, dass in einer zentralen theologischen Frage, die einst die Reformation umtrieb und die zum Zerbrechen der Kircheneinheit beitrug, heute eine Übereinstimmung im Grundsatz besteht.

Vor diesem Hintergrund muss ein Reformationsjubiläum anders gefeiert werden als noch 1967. Damals war es überschattet von der Abwehr der ausgerechnet von einem katholischen Kirchenhistoriker vertretenen Annahme, dass es Luthers Thesenanschlag nie gegeben habe; der Reformator habe seine Thesen nur als Briefe verschickt.

Daher nahm die internationale lutherisch/römisch-katholische Kommission für die Einheit bereits 2013 den anstehenden 500. Jahrestag in den Blick. Dabei richtete sie den Fokus genau auf den Aspekt, wie die Reformation in der Rückschau wahrgenommen und gewertet wird. Unter dem programmatischen Titel „Vom Konflikt zur Gemeinschaft“ schrieb sie: „Was in der Vergangenheit geschehen ist, kann nicht verändert werden. Was jedoch von der Vergangenheit erinnert wird und wie das geschieht, kann sich im Lauf der Zeit tatsächlich verändern. (…) Während die Vergangenheit selbst unveränderlich ist, ist die Präsenz der Vergangenheit in der Gegenwart veränderlich.“

Prof. Wolfgang Thönissen, Direktor des Johann.Möhler-Instituts für Ökumenik, folgert daraus: „Lutheraner und Katholiken müssen sich nicht mehr gegenseitig verurteilen und verunglimpfen, weil sie meinen, sie seien durch die geschichtlichen Ereignisse dazu gezwungen.“ Sie könnten „freier und losgelöster“ mit der Geschichte umgehen, die ihnen keine vorgefertigten Antworten aufzwinge.

Die beiden großen Kirchen in Deutschland wollen dem entsprechend nächstes Jahr „ein anderes Zeichen setzen“: „Die bevorstehende 500-Jahr-Feier (…) soll unter der gemeinsamen Wahrnehmung des Evangeliums die ökumenische Verbundenheit stärken, die in den letzten Jahrzehnten zwischen uns gewachsen ist“, schreiben Deutsche Bischofskonferenz (DBK) und Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) in ihrem im September publizierten gemeinsamen Wort zum Jahr 2017. Sie stellen das Gedenken unter die Absicht einer „Heilung der Erinnerungen“. Das Schmerzhafte der Geschichte, die leidvollen Erfahrungen sollen gemeinsam angeschaut werden und gemeinsam soll Versöhnung gesucht werden.

Feier der Versöhnung

Höhepunkt des ökumenischen Gedenkens wird ein zentraler Buß- und Versöhnungsgottesdienst am 11. März in Hildesheim sein. Die Bischöfe wünschen sich ähnliche Feiern auch auf regionaler und lokaler Ebene. Daher wird am 21. März ein Versöhnungsgottesdienst in Bamberg mit Generalvikar Georg Kestel und Regionalbischöfin Dorothea Greiner stattfinden. Ob in der katholischen Kirche St. Josef oder der evangelischen St. Stefan steht noch nicht fest. Drei Fragen sollen die Gestaltung prägen, so Josef Gründel: „Wo müssen wir bekennen, dass wir Jesus Christus verraten haben? Wofür dürfen wir in der Ökumene dankbar sein? Woran müssen wir gemeinsam noch arbeiten?“

Für solche Feiern gibt es offizielle Gottesdienst-Entwürfe. Einen haben der Lutherische Weltbund und der Päpstliche Rat zur Förderung der Einheit der Christen bereits Anfang des Jahres zur Verfügung gestellt. Er ist auf der Homepage www.2017gemeinsam.de leicht abzurufen.

Einen anderen haben DBK und EKD am Ende ihres gemeinsamen Wortes „Erinnerung heilen – Jesus Christus bezeugen“ veröffentlicht. An diesem Entwurf gefällt Gründel besonders die Symbolhandlung: Für den Versöhnungsgottesdienst hat P. Abraham Fischer OSB von der Abtei Königsmünster in Meschede ein eigenes Kreuz geschaffen. Es ist kein flaches Achsenkreuz, sondern ein räumliches Koordinatenkreuz. Legt man es auf den Boden, sieht es aus wie eine Panzersperre. Im Gottesdienst wird es zu einem Kreuz aufgerichtet. In einer mittleren und einer kleinen Ausführung kann das Kreuz auf der Homepage der Abtei bestellt werden (http://christuskreuz2017.koenigsmuenster.de).

Besonders freut sich Josef Gründel auf das Ökumenefest am 30. Juli 2017 in Vierzehnheiligen. Generalvikar Georg Kestel und Regionalbischöfin Dorothea Greiner leiten dort einen Dank- und Segensgottesdienst für konfessionsverschiedene Paare. In ihm solle den Eheleuten Dank ausgesprochen werden für die Verbindung, die sie zwischen den Kirchen gelebt und geschaffen haben, erläutert Gründel. Und die Kirchen wollen sie dafür um Vergebung bitten, was sie erlitten haben. Namentlich eingeladen werden die Silber- und Goldpaare aus Erzbistum Bamberg und Kirchenkreis Bayreuth. Gründel erinnert hier daran, dass die Katholiken, die 1967 einen evangelischen Partner heirateten, noch aus der Kirche ausgeschlossen wurden. Die Möglichkeit der Dispens vom Ehehindernis der Konfessionsverschiedenheit wurde erst zwei Jahre später eingeführt.

2013 habe man schon einmal einen solchen Gottesdienst gefeiert. Für Josef Gründel eine bewegende Erinnerung. Er habe noch nie erlebt, dass bei einem Gottesdienst so viele Tränen geflossen seien. „Ich freue mich deshalb, dass das Erzbistum gerade mit dieser Feier den Aspekt des Heilens und Versöhnens ganz besonders betont.“

In einer säkularen Welt

Als einen weiteren Schwerpunkt katholischer Beteiligung nennt Gründel die Erwachsenenbildung. Vorträge und Ausstellungen seien eine „gute Gelegenheit, unverkrampft ins Gespräch zu kommen“. Die Katholische Erwachsenenbildung im Erzbistum Bamberg und das Projektbüro Reformationsdekade der Evangelische-Lutherischen Kirche in Bayern haben eigens eine materialreiche Arbeitshilfe herausgegeben (siehe eigene Besprechung).

Der Theologe sieht die besondere Herausforderung für die Bildung in einem zweiten Charakteristikum des Gedenkjahres: 500 Jahre Reformation werde ja nicht nur erstmals im Zeitalter der Ökumene, sondern auch „in einer säkularisierten Gesellschaft“ begangen. „Was heißt Reformation in einer Zeit, in der immer mehr Menschen sagen, Gnade brauche ich nicht?“, formuliert Josef Gründel die Anfrage. „Viele empfinden doch so: Die Vorgänge von damals mögen ja historisch interessant sein, aber die Inhalte berühren mich nicht. Mir geht es gut, ich bin mit mir im Einklang. Vorstellungen wie Sünde und Rechtfertigung sind mir fremd.“ Dabei sei gerade in einer Leistungsgesellschaft die Einsicht wichtig, dass der Wert eines Menschen nicht von seinem Erfolg abhänge. Hier gelte es jedenfalls, Antworten zu finden.

 

Datum: 21.11.2016
Klaus-Stefan Krieger
Weiterführende Links:
http://www.oekumenereferat.kirche-bamberg.de
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